Wie lebst du deinen letzten Tag?

„Guten Tag, werte Frau“ sagte der etwas zerstreut wirkende Mann mit rötlich-zerzausten Haaren, Streifenhemd und fladderiger Ledertasche, welcher mir auf dem Abend-Spaziergang am See entgegenkam. 

Von Weitem wirkte er etwas unsicher auf mich- so, als hätte er einen langen Arbeitstag hinter sich. „Guten Tag.“ antwortete ich erfreut über seinen freundlichen Gruß.

“Hören Sie auch dieses Lied?“ fragte er, als wäre es nicht zu überhören.

Ich lächelte begeistert: „Oh ja, die Grillen zirpen so schön!“

„Ha. Die meine ich nicht, ich höre noch ein anderes Lied und wissen Sie, welches das ist? Es ist das Lied vom TOD“ sagte er und schaute mich mit seinen leeren, schwarzen Augen an. Ich schaute zurück und merkte, er scherzt nicht.

„Hmmm… nee, das höre ich nicht.“ sagte ich und hörte etwas konzentrierter in die Abendluft. 🤔

Er lächelte über meine Naivität und als ob es ein Privileg wäre, entgegnete er: „Ich aber.“ Dann ging er weiter.

😅 Solch eine skurrile Unterhaltung… meine Gedanken und Gefühle nach der Begegnung zu beobachten, war besonders interessant. 😌 

Von “Der hat einen Knall.” 😒 über “Was soll mir damit gesagt werden?” 🤔 bishin zu “Und wenn er sich oder jemanden umbringen will?”. 😳

Einige Minuten vor der Begegnung habe ich noch daran gedacht, wie kostbar mein Leben ist und wie dankbar ich mich fühle, so oft Zeit mit meinen Liebsten verbringen zu können. Dabei wurde mir bewusst, wie vergänglich wir sind und dass wir uns mit jeder Sekunde auf den Tod hinzu bewegen. 🕰 ✝️

Dennoch ist der Tod nichts, wovor sich unser Bewusstsein fürchten müsste. Er stellt für unsere Seelen lediglich einen Übergang dar, eine Art Bahnhof. Er ist das Ende und zugleich der Anfang von etwas. ♾️

Wovor wir uns viel mehr fürchten sollten, ist, niemals wirklich gelebt zu haben und uns in unserer kostbaren Lebenszeit hinter Ängsten und Sorgen versteckt zu haben – im Sinne von: “Was werden bloß die anderen denken?”, “Was, wenn ich scheitere?”, “Mir hilft doch niemand.” oder “Hauptsache, ich komme hier sicher durch.” 😌

Wenn überhaupt, sollten wir Sorge davor haben, am Ende des Lebens auf unserem Totenbett zu liegen und zu erkennen, dass wir uns der Liebe niemals vollends geöffnet haben. ❤️‍🩹

Dass wir uns niemals ganz hingegeben haben. Dass wir uns stets zurückgehalten haben. Dass wir unsere Verantwortung nicht zu 100% angenommen haben, uns beschwert haben über die “schrecklichen Umstände” und stets nach “Schuldigen” im Außen gesucht haben. 🕳

Das alles, damit sich unser verletztes #Ego weiterhin in vermeintlicher Sicherheit wiegen kann und die alten inneren Anteile nicht berührt werden. Was aus der eigenen Reflexion folgen würde, wäre wie ein “kleiner Tod” – ein Abschied von altbekannten Mustern und der Beginn von etwas Neuem. 💔🚪✨

Dieses Zitat finde ich besonders hilfreich für alle, die ihre Zeit bewusster verbringen möchten: 

„Tu das, was die Buddhisten tun. Stell dir vor, dass jeden Tag ein kleiner Vogel auf deiner Schulter sitzt, der dich fragt: ‚Ist heute der Tag, an dem ich sterben werde? Bin ich dafür bereit? Tue ich alles, was ich tun sollte? Bin ich der Mensch, der ich sein möchte?‘ Wenn wir uns der Tatsache, dass wir zu jedem erdenklichen Zeitpunkt sterben könnten bewusst werden, würden wir unser Leben anders führen. Also frage dich immer: Ist das der Tag?“ (Quelle: https://www.fischundfleisch.com/andy-mcqueen/wie-ein-vogel-auf-der-schulter-der-tod-ist-unser-bester-freund-7664)

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